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Geschichte der Helmarshäuser Schützen
Schon aus dem 14. Jahrhundert finden sich Überlieferungen welche von Schützenwettkämpfen sprechen. So veranstalteten die Schützen von Magdeburg bereits im Mai 1387 ein Bogenschießen, bei welchem mit mehreren Nachbarvereinen um eine Jungfrau als Preis geschossen wurde. Die Gilde der Helmarshäuser Schützen geht nach meinen Nachforschungen bereits auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Leider können wir Heute nur noch das Datum 1682 urkundlich belegen. Bei der früheren Geschichte der Schützen beziehe ich mich deshalb auf die Unterlagen der Herren Fenner und Scholl. Herr Fenner berichtet so zum Beispiel über eine Urkunde des Landgrafen Moritz aus dem Jahr 1621. In dieser Urkunde werden den Helmarshäuser Schützen Privilegien bestätigt. Diese Urkunde ist jedoch mit den übrigen Altakten, im Jahr 1938, an das Staatsarchiv überstellt worden und in den Wirren des Krieges verschwunden. Die Niederschriften des Herrn Scholl beginnen im Jahr 1682. Bei diesen Niederschriften können wir uns der Authentizität sicher sein. Wir beziehen uns deshalb im Folgenden auf diese Akten. Eine Urkunde aus dem Jahr 1682 beschreibt die Verwendung der Einnahmen des Vereins, bzw. die Beitragszahlungen, ebenfalls beschreibt das Dokument eine Ordnungsstrafe gegen ein Mitglied des Vereins: „Jeder Schütze soll 2 Metzen Gerste beisteuern. Es ergab 4 Viertel und 2 Metzen, aus diesen konnte 9 Zuber, 29 Mass Bier gebraut werden, dass zu Pfingsten vertrunken wurde. Für 5 Zober und 2 Eimer Treber wurden 8 Albus und 6 Heller erlöst. Für das Nachbier wurden 14 Albus gegeben. Die Einnahmen der Büchsenschützen wurden mit jährlich 26 Albus festgesetzt. Dazu gab der Bürgermeister 4 Albus. Zu 4 Albus Strafe ist Melchior Nolten erkannt worden, weil er beim Fest zu Pfingsten eine vollbesetzte Bank umgeworfen hatte.“ Auf Grund dieses Dokumentes aus dem Jahr 1682 lässt sich belegen, dass die Helmarshäuser schon seit dieser Zeit ihr Schützenfest immer zu Pfingsten gefeiert haben. Um das Fest angemessen feiern zu können, musste jedes Mitglied – anstelle eines finanziellen Beitrags – Gerste beisteuern. Man braute sich damit sein eigenes Bier und einem feucht-fröhlichen Schützenfest stand so nichts im Wege. Nachfolgende Urkunden der kommenden Jahre unterstützen diese Vermutung. Auch geht aus ihnen hervor, dass die Schützen zu Pfingsten stets um Preise schossen. Das Königsschießen fand zu einem anderen (nicht genannten) Zeitpunkt statt. So wie es auch heute noch in Helmarshausen praktiziert wird. Die älteste uns persönliche erhaltene Urkunde stammt aus dem Jahr 1686. In dieser Urkunde geht es auch um das besagte Fest der Schützen zu Pfingsten. Ich gebe die Dokumente in Wort und Schrift so wieder, wie sie mir vorlagen. BILD URKUNDE Die älteste erhaltene Urkunde aus dem Jahre 1686 Die älteste erhaltene Urkunde der Helmarshäuser Schützen aus dem Jahr 1686 Aush, der sonst bräuchlichen ordnung und verbindlicher obherwaltung guter Schützen manier hingefloßener geraumer Zeit dieses Orths, auch imermehr von den herrschaftlichen Vorschus vorgefertger Scheibe, so dem Schützenmeister zu gehöriger beobachtung recommendiert, Soll forthin zwischen Pfingsten und Michaelistag, alle drey wochen umb einen theil der Herrschaftlichen Schützengabe gegen einen gewissen voreinbehalt Einsatz von den alhier haußgeseßenen Bürgern und niemand anderst ohne schußes worashion (erlaubnis), nach solcher Scheibe umb das gewinst geschossen, Jahr drei Schützen Nahmen zum Schützen Kamb (Schützenplatz) einiger liebent und alles guter ordnung gemes gehalten, vorfallender Zweifel und Streit in entstehenden Vergleich vom Schützenmeister abgethan werden. Und wird dieß mahl Ein Gülden, so Schützenmeister und älteste Schießscheibe zu gewinnen verordnet. Helmarshausen am 25. May Anno 1686 Fürstlich Schuldheiß Inholdsen 1692 Heute am 27. Dezember wurde von allen Schützen verabredet, dass eines Schützenbruders Sohn einen Teil von Geld und Gerste als Einstand erlassen sei. 1696 Es werden Ordnungsstrafen verzeichnet. Caspar Huth, weil er im vorigen Jahr am 19. Mai bei der Ablegung der Schützenrechnung gefehlt hat. Strafe 1 Albus. Georg Wiederholt, weil er bei dem am 4. Juli abgehaltenen Exercitio gefehlt hat, 2 Albus. Weifenbach und Rothaus, weil sie sich in Franz Williges Haus, darin die Schützen ausgiebig getrunken haben, ungebührlich benommen haben. 4 Albus. Heinrich Mummen, wegen Ausschreitungen auf dem Schützenplatz zu Pfingsten, wurde zu einem Butterbrezel an alle Schützen verurteilt. Und Melchior Gödeken, der sich der Schützenordnung widersetzt hat, 13 Albus. 1697 In diesem Jahr wird der Personalstand der Schützen verzeichnet: Schützenmeister und Capitain: Johann Melchior Huth Lieutenant: Heinrich Bornemann sen, David Schoppmann Sergant: Eberhard Bönning, Georg Pfeffer Corporal: Heinrich Bornemann jun., Heinrich Hartmann Pritschenmeister: Johannes Shekel Tambour: Andreas Stunss und 37 andere Namen (die nicht genannt werden). In den kommenden 10 Jahren sind jeweils nur Aufzeichnungen über Ordnungsstrafen erhalten. 1714 Nach einer neuen Ordnung sollen die Offiziere jährlich neu gewählt werden. Sie haben bei ihrer Wahl ein Präsent zu geben. Was die neuen Offiziere zu zahlen hatten, wurde bräuchlich vertrunken. Wer sich hingegen weigerte ein Amt anzunehmen, musste ½ Zober Bier und Branntwein, dazu 4 Albus für die Weiber bezahlen. Weiterhin wurde in diesem Jahr beschlossen, dass von nun an sämtliche Beschlüsse von allen Schützen zu unterzeichnen seien (es waren zu dieser Zeit nur ca. 20). 1715 Am 12. Juli richteten die Schützen ein Gesuch um Zuweisung eines neuen Schützenplatzes an die Stadt. Den alten Platz in der „fliethe“ hatten man in den Wirren einer Fehde mit dem paderbornschen Rentmeister verkauft. Am 24. Juli antwortete der damalige Bürgermeister (und Schütze) Caspar Hudt und wies einen neuen Schießplatz in der Hainbach als Pachtland zu. Da die Schützen aber später selber Pacht für die Grasnutzung erhoben, muss der Platz in den kommenden Jahren wohl in das Eigentum des Vereins übergegangen sein. 1728 In den kommenden Jahren wurde es wieder ruhiger um die Schützen. Vom 27. Februar haben wir einen Beschluss, der die Schützen dazu zwingt mit ihrem eigenen Gewehr zu erscheinen. Hier finden sich nur noch 14 Unterschriften. 1732 Am 4. Juni wird beschlossen, dass künftig alle Witwen der verstorbenen Schützen auf Pfingsten eingeladen werden sollen. Hat der verstorbene Mann etwas zu dem Getreidevorrat – der zum Bier brauen bestimmt war – beigesteuert, bekommt die Witwe am Pfingstdienstag ein Mass Bier und nicht mehr. 1740 Am 27. Januar wird Caspar Schade, Melchior Hartmann und Johannes Bunzenthal für das Pfingstschießen in der Hainbach gegen Zahlung von 8 Albus die Erlaubnis erteilt, Branntwein und Wein, sowie Butterbrezeln, Zwieback und Wecke zu verkaufen. 1750 Da in den vergangenen Jahren viel Streit, Zank und Unstimmigkeiten vorgekommen sind, geben sich die Schützen eine neue Ordnung. Sämtliche 37 Mitglieder unterzeichneten die Ordnung. Hauptsächlich geht es in der Ordnung um das Benehmen der Schützen, das Verhalten bei Veranstaltungen und den Umgang mit den Waffen. Weiterhin legt die Schützenordnung von 1750 den Wahlmodus der Offiziere und die Sitzordnung fest. Amüsanterweise wird hieran aber auch genau geregelt, wann und wie die Schützen bei ihren Zusammenkünften ihr Bier trinken dürfen. Ebenfalls wurden Strafen festgelegt. Das Bier der Schützen scheint damals einen sehr hohen Stellenwert gehabt zu haben. Denn Schützen, welche sich weigerten ihre Strafen zu bezahlen, bekamen kein Bier mehr zu trinken. 1795 Wird über ein großes Preisschießen zu Pfingsten berichtet. Es wurde um insgesamt 27 Preise, hauptsächlich Geschirr geschossen. Jeder Schütze gab 4 Schuss ab. Sieger wurde Capitain Diling mit 29 Ringen. In den kommenden 50 Jahren finden sich keine Aufzeichnungen über das Helmarshäuser Schützenwesen. Es folgte die Revolution von 1848, an welcher sich die „Helmarshäuser Bürgergarde“ wieder aktiv beteiligte (siehe Extra-Bericht über die historische Fahne aus dieser Zeit). Erste Aufzeichnungen der Stadt finden sich wieder aus dem Jahr 1864. Hierbei handelt es sich um eine Anfrage des Bürgermeisters an den kurfürstlichen Landrat, ob zu Pfingsten ein Schützenfest mit Tanzmusik zulässig sei. 1865 Wirt Schünemann pachtet die erste Wirtschaft im Schützenzelt für 9 Reichstaler. Die zweite Wirtschaft geht an Wirt Gerke für zwei Reichstaler. Ferner liegt uns eine Rechnung für den Bau eines Tanzzeltes vor. 1884 Wurde mit dem Bau einer neuen Straße am Fahlenberg begonnen. Die Stadt wies dem Verein deshalb den heutigen Schützenplatz zwischen Stadt und Burg zu. Dort wurde sodann die oberer Halle gebaut. Als der Schützenplatz noch in der Hainbach war, brach oft in der Stadt ein Brand aus, während alle Einwohner am Fest teilnahmen. Man schrieb die Brandstiftung dem alten Brandköster zu, den man dann auch in Langenthal unter einem alten Kessel versteckt vorfand und verhaftete. Der neue Platz der Hallen war so gewählt, dass man die verlassene Stadt gut übersehen konnte. 1895 Verbietet der Landrat das Schützenfest auf Grund der nicht ordnungsgemäßen Verhältnisse im vergangenen Jahr. 1900 Mittlerweile sind 58 Bürger Mitglied im Schützenverein 1902 Wird der 1. dokumentierte Schützenball zu Karneval gefeiert. Aus diesem Jahr liegt uns ein Dokument mit den geladenen Gästen für den Karnevalsball vor (siehe nächste Seit 1914 - 1918 Während des 1. Weltkriegs erlischt sämtliches Vereinsleben. 1937 In den Akten taucht erstmalig das Projekt auf, die Hallen abzubrechen und auf dem Sportplatz neu aufzubauen. Obwohl die Schützen am 11. Juli zustimmen, wird nichts daraus. 1939 Am 28. Mai findet das letzte Pfingsschießen vor dem Krieg statt. Nach dem der Krieg 1945 verloren war, verboten die amerikanischen Besatzungsmächte sämtliche Vereine. BILD GOLDENE GÄSTE Geladene Gäste zum 1. dokumentierten Karnevalsball der Schützen 1902 1951 Am 16. Mai findet in der Gaststätte Schindewolf die erste Versammlung nach dem Krieg statt. Es folgt am 03. Juni ein Antrag an die Stadt, die Schützenhallen zurück zu bekommen. Platz und Hallen gingen durch Beschluss der Stadtverordneten wieder an den Verein über. 1954 Das erste Schützenfest nach dem Krieg wurde am 7. und 8. Juni in den – nun wieder – vereinseigenen Hallen gefeiert. Seit dem feien wir unser Schützenfest jedes Jahr zu Pfingsten in den Schützenhallen. BILD ZEITUNG In den folgenden Jahren fand bei den Schützen wieder ein reges Vereinsleben statt und es wurden zahlreiche Versammlungen abgehalten. Auch wenn man im 20. Jahrhundert kein eigenes Bier mehr braute, war der Antrag bei der Versammlung „ein Fass Bier zu trinken“ stets obligatorisch. Auch an die älteren Mitglieder wurde stets gedacht. Denn nach Protokollen aus den 60er Jahren wurden bei Generalversammlungen für sie stets „einige Liter Wacholder“ geordert. 1964 Der Schützenverein richtet erstmalig das Kreisschützenfest aus. 1969 Der Verein bekommt einen eigenen Luftgewehrschießstand. Vorher wurde auf dem Schützenplatz, im Gasthaus May und im Rathaus geschossen. 1971 Gründet sich der Fanfarenzug des Schützenvereins. 1972 Am 25. Mai findet im Gasthaus „Zur Post“ die Gründung der Damenabteilung des Vereins statt. Im Juli wird der Kleinkaliberschießstand im Bürgerhaus durch den Magistrat der Stadt Helmarshausen feierlich übergeben. 1973 Wird der Luftgewehrschießstand zum Kleinkaliberschießstand im Bürgerhaus verlegt. Im August richtet der Verein zum 2x das Kreisschützenfest aus. 1974 Vom 19. – 20. April findet der Hessische Landesschützentag im Bürgerhaus statt. 1982 Feiert der Verein sind 300-jähriges Jubiläum in Verbindung mit dem 25. Kreisschützenfest des Schützenkreises Hofgeismar. 1985 Im Februar wird Willi Schneider – erstmalig in der Vereinsgeschichte – zum 3. Mal Schützenkönig 1986 Den kältesten Schützenball der Geschichte feiert der Verein bei Temperaturen um – 20 Grad! Im Mai feiert der Fanfarenzug sein 15-jähriges Bestehen mit einem erweiterten Schützenfest. Ebenfalls in diesem Jahr gründet sich die Jagdhornbläser-Gruppe des Vereins, unter der Leitung von Uwe Fey und im September findet eine große Vereinsfahrt in den Vogelpark nach Walsrode statt. 1987 Der Schießstand wird renoviert und der Fußboden gefließt. Ende des Jahres löst sich der Fanfarenzug nach 16-jährigem Bestehen auf. 1988 Findet das 1. Jagdhornbläser-Treffen auf der Krukenburg statt. 1991 Der Schützenball muss erstmalig, auf Grund des 1. Golfkrieges, ausfallen. Am 11. und 12. August wird das 4. Kreisschützenfest in Helmarshausen gefeiert. 1992 Das Schützenfest im Wandel der Zeit: Anstelle des Kommersabend wird erstmalig eine Disco veranstaltet. Ebenfalls in diesem Jahr wird eine Partnerschaft mit dem Schützenverein in Bad Suderode (Sachsen-Anhalt) geschlossen. Deren ehemaliger Vorsitzender Wolfgang Funke sogar mittlerweile Mitglied des Schützenverein Helmarshausen ist! 1993 Der Spielmannszug Herne-Süd kommt erstmalig zum Helmarshäuser Schützenfest – Der Beginn einer Freundschaft zwischen unseren beiden Vereinen. 1994 Mit Lieselotte Nolte wird die 1. Frau in der Vereinsgeschichte Schützenkönig. Am 17.12.94 tritt Karl Aßhauer nach knapp 20 Jahren als 1. Vorsitzender zurück. Die Mitgliederversammlung ernennt ihn zum Ehrenvorsitzenden. Horst Franz wird zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Mit Kai Hüther, als seinem Stellvertreter, und zahlreichen neuen, jungen Gesichtern gibt es eine Verjüngung im Vorstand. 1995 Der Schießstand wird im März und April komplett renoviert. Während der Umbauphase wird in den Stand eingebrochen. Die Diebe erbeuten Waffen und richten einen großen Schaden an. 1996 Die Mitglieder unternehmen eine gemeinsame Fahrt ins Westfälische Freilichtmuseum Detmold und an den Schieder-Stausee. Am 28.09. feiert die Jagdhornbläsergruppe (mittlerweile unter Leitung von Axel Bülow) ihr 10-jähriges Bestehen mit einem großen Fest auf der Krukenburg. 1997 Um den neuen Jugendleiter Frank Geißler entsteht eine neue Jugendgruppe, die in den kommenden Jahren zahlreiche Projekte realisieren kann. 1998 Michael Schindewolf wird mit 18 Jahren jüngster Schützenkönig in der Vereinsgeschichte. 2000 Die Jugend ist weiter auf dem Vormarsch: Mit dem zu dieser Zeit 19-jährigen Thorsten Franz wird der jüngste 2. Vorsitzende der Vereinsgeschichte gewählt. 2003 Die Jugendabteilung veranstaltet erstmalig ihre eigene Discoparty „Dance-Night“. 2007 Der Luftgewehrschießstand wird im alten Hallenbad neu gebaut. Der restliche Schießstand wird komplett saniert. Vom 03. – 06. 08 feiern die Helmarshäuser Schützen ihr 325-jähriges Jubiläum in Kombination mit dem 50. Kreisschützenfest. |
